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| Unser Wasser Hamburg : Dossier Veolia |
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Ein „Unser Wasser
Hamburg“ Dossier,
zusammengestellt von Frank Kürschner-Pelkmann In
der Debatte um die Privatisierung der Hamburger Wasserversorgung ist
der Name
eines Konzerns aufgetaucht, der als Partner der Stadt bei diesem
Vorhaben in
Frage kommen soll, Veolia. Bis vor kurzem gab es keinen Konzern unter
diesem
Namen, und doch steht hinter Veolia eine lange Geschichte, die
Geschichte des
französischen Konzerns Vivendi. Warum der Name gewechselt hat und
welche
Erfahrungen die Menschen gemacht haben, die ihr Wasser von
Vivendi/Veolia
beziehen, geht aus diesem Dossier hervor. Die Zusammenstellung der
Fakten
dieses Dossiers lässt Zweifel aufkommen, ob die Hamburgerinnen und
Hamburger
ihr Wasser einem Konzern wie Veolia anvertrauen sollten. Kein
internationaler Wasserkonzern ist in den letzten Jahren so häufig
in die Schlagzeilen
der internationalen Presse geraten wie Vivendi. Das hing allerdings nur
selten
mit den Leistungen im Wassergeschäft zusammen. Dabei gab es in
diesem Bereich
große Erfahrungen, denn Vivendi geht auf ein Wasserunternehmen
zurück, das bereits
im Jahre 1853 gegründet wurde, die Compagnie
Générale des Eaux. Zunächst
versorgte das Unternehmen Lyon mit Wasser, bald darauf auch Nantes und
von 1869
an Paris. Générale des Eaux ist damit eines der
ältesten noch bestehenden
privaten Wasserunternehmen der Welt. Das Unternehmen expandierte in den
letzten
Jahrzehnten immer stärker in andere Geschäftsbereiche, so
dass Mitte der 90er
Jahre über 3.000 Gesellschaften zur Unternehmensgruppe gehört
haben sollen. Es
war zu einem wirklichen Mischkonzern geworden, zu dem bis hin zu einer
Supermarktkette eine bunte Ansammlung von Geschäftszweigen
gehörte. Als
Jean-Marie Messier 1996 die Leitung des Konzerns übernahm,
beschloss er, die
Geschäftsaktivitäten auf den Medienbereich und in zweiter
Linie auf
Umweltdienstleistungen wie Wasser zu konzentrieren. Er verkauft viele
der übrigen
Tochterunternehmen und setzte die Erlöse für den Erwerb von
Medienunternehmen
ein. Bald reichte dieses Kapital für die globalen
Expansionspläne Messiers aber
nicht mehr aus, und er nahm hohe Kredite für weitere Akquisitionen
auf. Ähnlich
wie der Kirch-Konzern wollte er von der Filmproduktion bis zu
Fernsehsendern
alle Bereiche in einer Unternehmensgruppe vereinen und so
Synergieeffekte
erzielen. Es sollten also zum Beispiel die Filme der eigenen
Filmgesellschaften
über die eigenen Fernsehsender ausgestrahlt werden. Messier erwarb
dafür unter
anderem für 30 Milliarden Dollar den kanadischen Seagram Konzern,
der
seinerseits im Besitz des großen Filmunternehmens Universal in
Hollywood war.
Mit solchen Käufen schaffte Messier es binnen kurzer Zeit, den
zweitgrößten
Medienkonzern der Welt aufzubauen. Die Zahl der
Vivendi-Beschäftigten betrug
zeitweise 380.000 in allen Teilen der Welt. 1998 wurde das „Eau“, das
Wasser,
aus dem Firmennamen gestrichen und der neue Name Vivendi kreiert. Die
Umweltaktivitäten wurden im Tochterunternehmen Vivendi
Environnement zusammengefasst,
vor allem der Wasserbereich. Dieser war für die Expansionspolitik
insofern von
großer Bedeutung, als hier ein größeres
Anlagevermögen vorhanden war, das
beliehen werden konnte. Bei späteren Prüfungen stellte man
fest, dass Messier
19 Milliarden Euro in diesem Bereich „geparkt“ hatte (so das
„Handelsblatt“ am
19. Juli 2002). Insgesamt betrug die Verschuldung des Konzerns
schließlich etwa
34 Milliarden Euro (vgl. Süddeutsche Zeitung, 2.7.2002), und wie
im Falle von
Kirch wurde der Einsturz des Kartenhauses dadurch ausgelöst, das
die
Pay-TV-Programme (im Falle von Vivendi vor allem der französische
Canal Plus)
gewaltige Verluste erwirtschafteten. Auch die Hoffnungen auf rasche
Gewinne im
UMTS-Geschäft zerschlugen sich, und schließlich waren die
Kreditgeber nicht
mehr bereit, die riskanten Geschäfte Messiers zu finanzieren.
Aktienexperten
fassten die Situation so zusammen: „Ein Medienkonzern, dem das Wasser
bis zum
Hals steht.“ Die Vivendi Universal-Aktie fiel von einem Rekordhoch von
141 Euro
auf etwa 30 Euro, und dann an einem einzigen Börsentag um weitere
22 Prozent
auf ein Rekordtief. Die mehr als 100 Millionen Wasserkunden sahen sich
plötzlich mit einem drohenden Konkurs ihres Wasserversorgers
konfrontiert. Aus
Anlass einer turbulenten Aktionärsversammlung schrieb die
„Süddeutsche Zeitung“
am 25.4.2002 über den in die Kritik geratenen Vivendi-Chef: „Zudem
gilt Messier
als Verkörperung einer kalten, arroganten und gegen die Interessen
der Menschen
gerichteten Globalisierung.“ Und tatsächlich ist Messier nicht nur
ein
Verfechter der vorherrschenden Globalisierung, sondern er hat den von
ihm
geleiteten Konzern konsequent zu einem globalen Akteur gemacht. Im
Sommer 2002
musste Messier zurücktreten, und seinen Nachfolgern blieb nichts
übrig, als das
zu tun, was in der Presse als „Ausverkauf von Vivendi“ bezeichnet
wurde.
Messier selbst wurde im Juni 2004 unter dem Vorwurf der
Finanzmanipulationen
vorübergehend in Untersuchungshaft genommen und auch der neue Chef
von Vivendi
musste sich gegen Vorwürfe von Aktionären zur Wehr setzen,
nicht konsequent
gegen dubiose Transaktionen vorgegangen zu sein. Den Wasserbereich
hätte Messier schon gern Jahre vorher verkauft, aber
angesichts solcher Pläne hatte sich der französische
Präsident Jacques Chirac
persönlich eingeschaltet und gewarnt, ein so zentraler Bereich wie
die
französische Wasserversorgung dürfe „nicht in falsche
Hände“ geraten, womit
gemeint war, nicht in ausländische Hände. Auch angesichts der
Finanzkrise des
Konzerns im Jahre 2002 machte die politische Führung Frankreichs
klar, dass ein
Verkauf des Vivendi-Wasserzweiges, der zahlreiche
französische Städte mit
Wasser versorgt, an ausländische Eigner nicht in Frage komme.
Damit wurde vor
allem ein Kauf durch EON/Gelsenwasser oder RWE blockiert (Vgl.
Süddeutsche
Zeitung, 27.5.2002). Schließlich fand sich im November 2002 ein
französisches
Konsortium, das bereit war, die Anteile von Vivendi Environnement zu
einem für
sie günstigen Kurs zu übernehmen. Der
Vorgang ist insofern bemerkenswert, als Vivendi selbst in den letzten
Jahren aber
vor allem dadurch zur Nummer Eins auf dem globalen Wassermarkt geworden
ist,
dass der Konzern die Wasserversorgung in vielen anderen Regionen der
Welt
übernahm und dabei die Frage der dortigen nationalen Interessen an
einer
Kontrolle über die eigene Wasserversorgung nie eine Rolle spielte.
Auch die
französische Regierung war nicht besorgt um die Interessen anderer
Länder,
sondern förderte die Expansion französischer Wasserkonzerne
wie Vivendi nach
Kräften – nicht selten mit Entwicklungshilfegeldern, die flossen,
sobald eine
Regierung in Afrika ihre Wasserversorgung einem französischen
Wasserkonzern
übertragen hatte. Die
Loslösung des Wasserbereichs vom übrigen Vivendi-Konzern ist
sicher von Vorteil
für die Kundinnen und Kunden. Angesichts der
Vivendi-Skandalgeschichte konnte
es nicht überraschen, dass die neue Gesellschaft sich einen neuen
Namen gab:
Veolia Environnement. Was bedeutet der Name Veolia? Dazu der
Originalton einer
Pressemeldung des Konzerns vom 10.5.2003: „Veolia nimmt Bezug auf
Aiolos, den
Herrn der Winde, einer mythologischen Gestalt aus der Odysseus-Sage.
Mit dem
Namen wird die gedankliche Vorstellung von sauberer Energie und der
Wunsch nach
kontinuierlicher Entwicklung unseres Planeten verknüpft.“ Ob mit
dem Stichwort
Veolia in Zukunft eher Assoziationen an die Schiffbrüche des
Odysseus verbunden
werden, bleibt abzuwarten. Sitz
des neuen Unternehmens, das alle bisherigen Wasser- und
Umweltaktivitäten des Vivendi-Konzerns
übernommen hat, ist Paris. Zu Veolia Envirnnement gehören
zahlreiche Firmen,
die sich mit Energie, Wasser, Müll und Verkehr befassen, zum
Beispiel auch das
Verkehrsunternehmen Connex, das u.a. in Deutschland private
Bahnverbindungen
anbietet. Die zentralen Tochtergesellschaften von Veolia Environnement
im
Wasser- und Abwasserbereich sind Veolia Water und Veolia Water Systems.
Ersteres Unternehmen liefert die ganze Bandbreite von Dienstleistungen
im
Bereich von Wasserver- und -entsorgung. Veolia Water Systems ist darauf
spezialisiert,
Anlagen zur Wasserversorgung und Abwasserbehandlung (vom Wasserwerk bis
zur
Kläranlage) zu entwerfen, zu bauen und zu installieren. Veolia
gehört zu den
ganz wenigen international tätigen Konzernen, die eine solche
Bandbreite von
Leistungen anbietet. Das zahlt sich aus, und zwar auf doppele Weise. Es
ist
Veolia möglich, bei Ausschreibungen alle geforderten Leistungen zu
erbringen
und auf Erfahrungen auf den jeweiligen Gebieten zu verweisen. Ist dann
zum
Beispiel der Kontrakt über den Betrieb der Wasserversorgung einer
Millionenstadt irgendwo auf der Welt abgeschlossen, kommt Veolia Water
Systems
ins Spiel. Denn dieses Unternehmen erhält nun quasi automatisch
die lukrativen
Aufträge für den Bau neuer Anlagen wie Wasserwerken. Mit dem
Kontrakt zum
Betrieb des Wasserversorgungsunternehmens hat Veolia für 20 oder
30 Jahre ein
Versorgungsmonopol. Mit der Möglichkeit der Vergabe von
Bauaufträgen können
andere Unternehmen des Konzerns begünstigt werden. Mit mehr
Wettbewerb im
Wasserbereich, den die Privatisierung angeblich bringen soll, hat all
dies
nichts zu tun. Veolia
Water hat insgesamt 77.000 Beschäftigte und versorgt mehr als 110
Millionen
Menschen in über 100 Ländern. Der Umsatz belief sich 2003 auf
11, 34 Mrd. Euro.
Auffällig ist, dass Veolia Water bei weitem nicht mehr so
aggressiv im globalen
Privatisierungsgeschäft tätig ist wie vorher Vivendi. Ein
Grund ist, dass alle
privaten Wasserkonzerne inzwischen aus verschiedenen Desastern gelernt
haben,
dass das schnelle Geld mit der Wasserversorgung der Armen nicht zu
machen ist.
Es fehlt – was nicht überraschen kann – schlicht die nötige
Kaufkraft, um
Wasserpreise zu bezahlen, die die Gewinne sprudeln lassen. Obwohl
Veolia immer
noch stolz verkündet, in wie vielen Ländern man tätig
ist, kommen die armen
Länder der Welt in der Darstellung der
Geschäftsaktivitäten im Finanzbericht
2002 praktisch nicht mehr vor. Wenn sich Veolia und andere
internationale
Wasserkonzerne in den armen Ländern der Welt noch
längerfristig engagieren,
dann nur mit einer kräftigen „Zugabe“ an Entwicklungshilfe.
„Public Private
Partnership“ wird diese wundersame Weise, einen Markt zu schaffen, wo
er
mangels Kaufkraft nach marktwirtschaftlichen Prinzipien gar nicht
existiert,
auch in der bundesdeutschen Entwicklungspolitik genannt und
kräftig gefördert. Der
zweite Grund, dass Veolia sich weniger am globalen
Privatisierungsgeschäft im
Wasserbereich engagiert, scheinen die eigenen Finanzprobleme zu sein.
Darauf
deutet hin, dass Veolia verschiedene Unternehmen verkaufte, im Mai 2004
sogar
sein amerikanisches Tochterunternehmen US Filter Corporation (an
Siemens). Als
Grund wurde in einer Veolia-Pressemitteilung vom Mai 2004 von einem
„strategic
refocusing“ gesprochen, nachdem vorher häufig die Bedeutung der US
Filter Corporation
im globalen Vivendi/Veolia-Geschäft hervorgehoben worden war. In
einer
Pressemeldung über die Übernahme von Wasserdienstleistungen
für den malaysischen
Ölkonzern Petronas heißt es in der Veolia-Pressemeldung vom
September 2002: „Der
20-Jahres-Kontrakt beinhaltet keine Investitionen von Seiten von Veolia
Water.“
Dass dies hervorgehoben wird, deutet nicht gerade darauf hin, dass
Veolia Water
vor Liquidität strotzt. Zu den relativ wenigen großen
Investitionsvorhaben im
Bereich der privatisierten Wasserversorgung gehörte 2002 der
geplante Erwerb
von Southern Water, dem privaten Wasserversorgungsunternehmen der
Region
südlich von London. Allerdings ließ sich keine langfristige
Finanzierung des
Erwerbs sichern, so dass sich Veolia auf den Kauf von 19,9% der Anteile
beschränkte (vgl. Veolia Water, Financial Report 2002, S. 2). Kein
Zweifel, die
Zeiten der großen Investitionen der Ära Messier sind vorbei. Vorherrschende Position
in
Frankreich In
Frankreich befindet sich etwa 80% der Wasserversorgung in der Hand
privater
Unternehmen. Davon beherrschen wiederum drei Konzerne 98%: Veolia 57%,
Suez/Ondeo
28% und Saur 13%. Die Konzentration hat Konsequenzen für die
Wasserkundinnen
und -kunden. Anfang 2003 wurde berichtet, dass sich die Wasserpreise in
Frankreich in einem Jahrzehnt um durchschnittlich 66% erhöht
hatten. Dieser
Wert lag viermal so hoch wie die Inflationsrate im gleichen Zeitraum
(vg.
BBU-Wasserrundbrief, 3.2.2003). Eine Studie des zum
Umweltministerium
gehörenden Umweltinstituts Frankreichs kam 2001 zum Ergebnis, dass
das Wasser
von privat geführten Versorgungsbetrieben um 27% teurer ist als
das der
kommunal geführten. Im Abwasserbereich betrug der Unterschied 20%.
Zu
berücksichtigen ist dabei auch, dass die Versorgungsunternehmen
beträchtliche
staatliche Zuschüsse erhalten. In den Städten werden 10-20%
der
Infrastrukturinvestitionen vom Staat finanziert, in ländlichen
Gebieten sogar
30-40% (vgl. Lisa Stadler/Uwe Hoering: Das Wasser-Monopoly, Zürich
2003, S.
94f.). Im
Februar 2002 hatte das Wirtschaftsmagazin „Le Capital“ die Schlagzeile
„Der
Wasserpreis-Skandal“. Die Zeitschrift berichtete auch von wachsenden
Protesten
gegen die Preiserhöhungen der privaten Wasserkonzerne und eine
„Aquarevolte“
gegen die Beherrschung der lebenswichtigen Wasserversorgung durch
einiger wenige
Konzerne. Von einem Wettbewerb um die Kontrakte kann kaum noch
gesprochen
werden, weil Veolia und Suez/Ondeo sich die städtischen Kontrakte
teilen und
Saur die Wasserversorgung in den ländlichen Gebieten beherrscht.
Thames Water,
das private Wasserversorgungsunternehmen von London mit globalen
Ambitionen und
Geschäftsverbindungen, versuchte jahrelang vergeblich, einen
Fuß in den französischen
Wassermarkt zu bekommen. Bei allen Ausschreibungen ging nicht ein
einziger
Kontrakt für die Wasserversorgung an den englischen Konzern. Expansion in Deutschland Angesichts
der Pro-Privatisierungs-Politik des Bundeswirtschaftsministeriums und
der
Finanznöte vieler Kommunen haben internationale Wasserkonzerne wie
Vivendi/Veolia
in den letzten Jahren den deutschen Markt entdeckt und bieten deutschen
Wasserkonzernen wie RWE und Gelsenwasser Konkurrenz. Vivendi hat vor
allem in
den neuen Bundesländern einige Erfolge erzielen können, wo
die „claims“ noch
nicht so stark abgesteckt waren wie zum Beispiel im Ruhrgebiet. Eine
Schlüsselstellung nimmt die 100prozentige
Veolia-Tochtergesellschaft OEWA
Wasser und Abwasser GmbH ein. OEWA hat inzwischen u.a. die Mehrheit der
Stadtwerke in Görlitz und Weißwasser übernommen. Ebenso
das Wasser- und
Abwassergeschäft des Zweckeverbandes Wasser/Abwasser „Mittleres
Elbetal“.
Insgesamt versorgt OEWA etwa 300.000 Menschen mit Trinkwasser und
über 400.000
Menschen mit Abwasserdienstleistungen. Mit der Firma Aqua Consult
bietet Veolia
Ingenieursleistungen im Wasser-, Abwasser- Abfall- und
Umwelttechnikbereich an.
In der Bundeshauptstadt ist Veolia am Kompetenzzentrum Wasser Berlin
maßgeblich
beteiligt. Dies ist ein internationales Zentrum der Wasserforschung,
dessen
Gründung ein Argument dafür war, dem Konsortium von Vivendi
und RWE den
Zuschlag bei der Privatisierung der Berliner Wasserbetriebe zu
erteilen. Koordiniert
wird das Veolia-Wassergeschäft in Deutschland von der Veolia Water
Deutschland
GmbH und der Veolia Water Systems (Anlagebau- und Ausrüstung) mit
Sitz in
Berlin. Nach eigenen Angaben ist Veolia Water „Dienstleistungspartner“
von 150
Kommunen und Industrieunternehmen im deutschsprachigen Raum. Die
bedeutendste
Beteiligung sind zweifellos die 24,95% an den Berliner Wasserbetrieben
– und es
ist zugleich eine problembeladene und konfliktreiche Beteiligung. Vivendi/Veolia in Berlin Die Berliner
Wasserbetriebe waren bis Ende der 90er Jahren das größte
kommunale Wasserunternehmen in Deutschland. Dann veranlassten hohe
Haushaltsdefizite den Berliner Senat, das „Tafelsilber“ zu
veräußern, also die
gut verkäuflichen staatlichen Unternehmen und Beteiligungen wie
die
Wasserbetriebe. Über die Berliner Finanzsenatorin Annette
Fugmann-Heesing hieß
es in der Presse: „Sie kam, sah und verkaufte“ (Zitiert nach
WochenZeiting WoZ,
Schweiz, 13.3.2003). Die „Berliner Morgenpost“ stellte bereits am 16.
August
1997 fest: „Annette Fugmann-Heesing wird als Privatisierungssenatorin
in die
Geschichte Berlins eingehen. Seit die SPD-Politkerin im Januar 1996 das
Finanzressort
übernommen hat, ist das Tafelsilber nicht mehr sicher. Alte Tabus
und
Grundsätze der Sozialdemokraten werden mit dem Rechenschieber
über den Haufen
geworfen.“ Gegen
starke Konkurrenz konnte sich das Konsortium von RWE, Vivendi und
Allianz
durchsetzen. Nachdem die Allianz-Gruppe im Juni 2002 ihre Anteile
verkauft hat,
blieben Vivendi und RWE und die Stadt Berlin als Eigentümer der
Holdinggesellschaft
übrig. Den beteiligten privaten Wasserunternehmen wurde für
einen Zeitraum von
28 Jahren eine Rendite von 9 Prozent garantiert. Die
gewählte Firmenkonstruktion ist kompliziert. Kurz gesagt haben RWE
und Vivendi
49,9 Prozent der Anteile der Berliner Wasserbetriebe (BWB)-Holding,
aber im alltäglichen
Geschäft das Sagen. 50,1 Prozent hält das Land Berlin und ist
auf diese Weise
an den Risiken und Verlusten beteiligt. Die Berliner
Wasserbetriebe-Holding ist
u.a. zu 100 Prozent Eigner des BWB-Wettbewerbsgeschäfts mit
diversen Tochterunternehmen
und Beteiligungen. Letztere Unternehmen
sollten durch ein sogenanntes Wettbewerbs- und
Risikogeschäft Arbeitsplätze schaffen und Gewinne erzielen.
Aber das erwies
sich als völlige Illusion. Mehrere der nicht im Wasserbereich
tätigen
Unternehmen der Holding erwirtschaften hohe Verluste, die vom
Gesamtkonzern
getragen worden sind, also auch vom Berliner Senat und von den Kunden
der
Wasserbetriebe. Die größte Belastung stellte das
Müllverwertungszentrum
Schwarze Pumpe dar. Mitte 2002 wurde das Unternehmen für den
symbolischen Preis
von einem Euro verkauft, wobei die Berliner Wasserbetriebe alle
Altschulden
übernehmen und zusätzliche Gelder investieren mussten, bevor
sie einen Käufer
fanden (vgl. Berliner Zeitung, 1.7.2002 und 4.7.2002; Energie &
Management,
15.2.2003). Auf Anfrage der Grünen musste der Berliner Senat
Anfang 2003
einräumen, dass die Berliner Wasserbetriebe vom Erwerb 1995 bis
zum Verkauf der
Firma Schwarze Pumpe insgesamt 587 Millionen Euro Kredite aufnehmen
mussten, um
die Defizite des Müllverwertungszentrums abzudecken (vgl. Berliner
Zeitung,
24.1.2003). Das
Telekommunikationsunternehmen Berlikomm erwies sich ebenfalls als
Verlustbringer
und musste im April 2003 den Abbau von Arbeitsplätzen
ankündigen. Spektakulär
war das Scheitern der Multi-Utility-Tochtergesellschaft Avida im Jahre
2001.
Sie bot den Berlinern gebündelt Wasser-, Energie- und
Telekommunikationsdienstleistungen
an, ein Konzept, das sowohl von RWE als auch von Vivendi über
Jahre propagiert
worden ist und als ein großer Vorteil privater
Versorgungsunternehmen
angepriesen wird. In Berlin musste der Versuch nach Anlaufkosten von
circa 15
Millionen DM aufgegeben werden. Die finanzielle Situation der Holding
scheint
inzwischen so schlecht, dass das erfolgreiche und Gewinne
erwirtschaftende
Tochterunternehmen Wassertechnik Essen verkauft wurde. Als grundlegendes Problem
in der Führung der Wasserbetriebe hat sich
erwiesen, dass die beiden privaten Akteure unterschiedliche Interessen
verfolgen. Als die Verträge in den 90er Jahren verhandelt und
abgeschlossen
wurden, bildete Vivendi zusammen mit Suez unangefochten die
Spitzengruppe unter
den internationalen Wasserkonzernen, während RWE eine
einigermaßen gefestigte
Position als Versorger im Ruhrgebiet besaß und international
keine große Rolle
spielte. Vor allem durch den Kauf von zwei großen privaten
Wasserkonzernen,
Thames Water in London und American Water Works in den USA, hat RWE
inzwischen
aber die Rolle eines „global player“ übernommen und konkurriert
mit der Veolia
um internationale Kontrakte. Dieses Konkurrenzverhältnis belastet
die
Zusammenarbeit in Berlin und wirkt sich bis in Beschlüsse
über einzelne
Aktivitäten des gemeinsamen Berliner Unternehmens aus. Bekannt
wurde dies Mitte
2002 im Falle eines Kontraktes für den Bau und den Betrieb eines
Klärwerkes in
Zagreb. Gegen die Konkurrenz von Vivendi hatten sich die RWE-Tochter
Thames
Water und das Unternehmen Wassertechnik Essen diesen Auftrag gesichert.
Die
Wassertechnik Essen war damals noch ein Tochterunternehmen der
Berlinwasser
Holding, und bei einer Aufsichtsratssitzung verweigerte der
Vivendi-Vertreter
die Zustimmung für die Finanzgarantien für dieses
Geschäft. Nach
Vivendi-Auffassung hatten Thames Water und Wassertechnik Essen zu
günstige Finanzierungszusagen
gemacht und damit den Auftrag erhalten. Selbst der damalige Berliner
Wirtschaftssenator Gregor Gysi musste sich einschalten, um den Auftrag
für die
Tochtergesellschaft der Wasserbetriebe zu sichern. Ein Scheitern der
Finanzierung
hätte dazu geführt, dass der Auftrag neu vergeben worden
wäre – mit guten
Aussichten für Vivendi (vgl. Berliner Zeitung, 21.6.2002). Dass
ein PDS-Senator
zwischen den Vertretern von zwei global agierenden Konzernen vermitteln
musste,
ist ein Fall, der sich in den Lehrbüchern der
Privatisierungsbefürworter nicht
finden lässt. Ein Manager der Berliner
Wasserbetriebe beschrieb die Situation Ende
2001 so: „Zwischen Vivendi und RWE herrscht Krieg.“ (Frankfurter
Allgemeine
Zeitung, 8.12.2001) In einer Analyse der Auseinandersetzungen kam die
„Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ in dem Artikel zum folgenden Schluss:
„Aus dieser
Paralyse wird die Berliner Wassergruppe wohl erst dann befreit, wenn
einer der
beiden Kontrahenten aussteigt. Dafür gibt es bislang aber keine
Signale:
Schließlich will keiner dem anderen das Feld überlassen.
Zudem würde ein
Verkauf der Anteile wohl mit erheblichen Buchverlusten einhergehen.
Denn heute
weiß man mit Gewissheit, dass der damalige Kaufpreis von 3,3
Milliarden DM für
die Minderheitsbeteiligung in Berlin weit überzogen war.“ Und die
„Financial
Times Deutschland“ analysierte am 4. Juli 2002: „Neben diesen akuten
Problemen
gilt in der Branche mittlerweile auch der Einstieg von RWE und Vivendi
in die
Berliner Wasserversorgung als Misserfolg... Bei strategischen
Entscheidungen im
Aufsichtsrat von Berlinwasser blockieren sich die beiden Konzerne, ist
aus dem
Unternehmen zu hören.“ In einer Analyse der Lage der Berliner
Wasserversorgung
stellte die gleiche Zeitung im Juli 2002 fest: „Dem Land Berlin
könnte der
Ausstieg eines der beiden Investoren willkommen sein. Im Mai
erklärte
Wirtschaftssenator Gregor Gysi die Teilprivatisierung mit zwei
konkurrierenden
Konzernen für gescheitert.“ Der Geschäftsführer der
Vivendi Water Deutschland
GmbH, Christophe Hug, erklärte hingegen im August 2002 in einem
Interview: „In
der Berlinwasser Gruppe haben die privaten Investoren Vivendi Water und
RWE
zusammen mit dem Land Berlin viel erreicht. Wir arbeiten gemeinsam,
partnerschaftlich und kontinuierlich weiter an der Optimierung der
Gruppe.“
(Energie & Management, 15.8.2002) Angesichts
aller Probleme und Konflikte war es umso überraschender, dass im
Jahre 2000 ein
hoher Konzerngewinn des Berliner Wasserversorgers ausgewiesen werden
konnte.
Aber dieser Gewinn hatte nicht viel mit der tatsächlichen
Geschäftssituation zu
tun. Zum damaligen Zeitpunkt hatte sich ein Käufer für das
defizitäre Müllverwertungszentrum
Schwarze Pumpe gefunden, aber dieser US-Konzern zahlte nie den
Kaufpreis.
Trotzdem wurden die Verkaufserlöse schon einmal in die Bilanz
für das Jahr 2000
eingestellt. Gegenstand öffentlicher Debatten war auch der Verkauf
von
Immobilien der Berliner Wasserbetriebe an die Immobilienfirma Molavia.
Die Verkaufserlöse
von 50 Millionen DM wurden als außerordentlicher Ertrag in die
Bilanz
aufgenommen, obwohl noch keine Zahlungen eingegangen waren.
Außerordentlich
waren aber eher die Umstände der Transaktion. Die Berliner
Wasserbetriebe waren
nämlich stiller Gesellschafter dieser Immobilienfirma. Der volle
Kaufpreis für
die Immobilien konnte erst bezahlt werden, als die Wasserbetriebe
dafür Gelder
aus der eigenen Kasse vorstreckten. Außerdem übernahm das
Wasserunternehmen
eine Haftung für potenzielle Molavia-Verluste, was um so brisanter
war, als die
Firma einige Mühe hatte, die übernommenen Immobilien
weiterzuverkaufen.
Nichtsdestoweniger bildeten die ausgewiesenen Gewinne des Konzerns die
Grundlage für hohe Gewinnausschüttungen an die Anteilseigner
RWE und Vivendi in
Höhe von 263,8 Millionen DM (vgl. Berliner Zeitung vom 18.5.2002
und
25.5.2002). Da die in der Bilanz 2000
ausgewiesenen außerordentlichen Erlöse in dieser
Form nie erwirtschaftet wurden, waren im folgenden Jahr umfangreiche
Umbuchungen erforderlich und daher fiel die Bilanz 2001 sehr negativ
aus. Aber
die privaten Betreiber RWE und Vivendi waren davon nur
eingeschränkt betroffen,
denn ihnen war wie erwähnt eine Rendite von 9 Prozent vertraglich
zugesichert.
Die finanzielle Situation der Wasserbetriebe war im Mai 2002 so
prekär, dass
der Berliner Senat und die beiden privaten Anteilseigner je zur
Hälfte
Bürgschaften von 316 Millionen Euro für die Holding
bereitstellen mussten (vgl.
Financial Times Deutschland, 21.5.2002; Energie & Management,
15.2.2003). Die Berliner
Verbraucherinnen und Verbraucher müssen seit Anfang 2004,
als die vertraglich garantierte Preisstabilität auslief, eine
15prozentige
Preiserhöhung hinnehmen, was für einen Vier-Personen-Haushalt
immerhin fast 100
Euro im Jahr ausmacht (vgl. die tageszeitung, Berlin-Teil, 26.4.2003 in
einem
Bericht zu geplanten Preiserhöhung). Der Berliner
Wirtschaftssenator Harald
Wolf sah es in einem Interview als Erfolg an, dass die Wasserpreise
nicht wie
befürchtet um 30 Prozent steigen würden (vgl. Berliner
Zeitung, 30.7.2003). Was
er allerdings nicht im Interview erwähnte, war die Tatsache, dass
die geringere
Preissteigerung dadurch zustande kam, dass die Stadt Berlin auf eine
angekündigte Konzessionsabgabe verzichtete. Sie hätte der
hochverschuldeten
Stadt jährliche Einnahme von knapp 70 Millionen Euro gebracht,
aber zu einer
Erhöhung des Wasserpreises um 15 Prozent geführt. Der
„Erfolg“ des Senats
besteht also darin, dass er auf eine Einnahmequelle verzichtet hat, die
viele
andere Kommunen nutzen. Zum Vergleich sei erwähnt, dass die
kommunalen
Hamburger Wasserwerke ihre Preise seit 1996 nicht erhöht haben.
2004 steigen
sie um 1,46 Prozent. Auch für die
Beschäftigten der Wasserwerke war die Teilprivatisierung
nicht der erhoffte Erfolg. Seit Jahren wird die Zahl der
Beschäftigten dadurch
reduziert, dass frei werdende Stellen nicht wiederbesetzt werden. Zwar
sind
betriebsbedingte Kündigungen durch den Vertrag mit den privaten
Betreibern bis
2014 ausgeschlossen, aber es ist unklar, wie das Ziel verwirklicht
werden kann,
in den Jahren bis 2006 weitere 650 von den noch knapp 5.400
Arbeitsplätzen
(2002) abzubauen (vgl. Berliner Zeitung, 5.7.2003). Gelingt dies nicht,
rechnen
die Betreiber mit weiteren deutlichen Erhöhungen des
Wasserpreises. Dass in den
Tochterunternehmen noch eine größere Zahl von
Arbeitsplätzen entsteht, ist
nicht zu erwarten. So verliert Berlin viele Arbeitsplätze, und die
Kunden
müssen den Prozess bis zur Verwirklichung dieses Ziels mit
höheren
Wasserpreisen finanzieren. Die Bilanz der Teilprivatisierung der
Berliner Wasserbetriebe
fällt also ausgesprochen ernüchternd aus. Die „Hamburg-Connection“ Welche
unvorhersehbaren Folgen die Privatisierung von Wasserwerken haben kann,
musste
im Frühjahr 2001 die Hansestadt Hamburg erleben. Die Hamburger
Wasserwerke sind
bisher nicht privatisiert worden, wohl aber wie erwähnt die
Berliner Wasserwerke
und das hatte indirekt negative Auswirkungen auf die Hamburger
Musikbranche.
Hauptakteur in dem, was sich wie ein Lehrstück der Globalisierung
liest, war
der französische Konzernchef Jean-Marie Messier. Ein Baustein in
seinem globalen
Expansionskonzept war wie erwähnt die Übernahme des
kanadischen Medien- und Getränkekonzerns
Seagram Company, der seinerseits das Film- und Musikunternehmen
Universal
besitzt (u.a. Universal Studios in Hollywood), dessen deutsches
Tochterunternehmen seinen Sitz bisher in Hamburg hatte. Der
Zusammenhang des Universal-Umzugs, der Subventionen und der Berliner
Wasserversorgung lässt sich aus einer Meldung in der „Berliner
Morgenpost“ vom
3. August 2000 ahnen: „Der französische Konzern Vivendi will nach
seinem
Einstieg bei den Berliner Wasserbetrieben jetzt bei der Ansiedlung von
Unternehmen
an der Spree helfen. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung
zwischen
Vivendi Water und der Wirtschaftsförderung Berlin GmbH (WFB) wurde
am Mittwoch
in Paris abgeschlossen. Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU)
bezeichnete
es als Erfolg, dass die WFB von dem weltweiten Netzwerk des
Vivendi-Konzerns
profitieren könne.“ In der Pressemeldung des Berliner Senats zur
Teilprivatisierung vom 18.6.1998 steht unter anderem zu den Vorteilen,
die
durch die Vereinbarung mit dem Konsortium entstehen: „Aktivität
und Engagement
der Konzerngesellschaften zur Stärkung der Berliner Wirtschaft und
zur
Schaffung von Arbeitsplätzen.“ Genauer heißt es dann zu den
Verpflichtungen der
Unternehmen: „Durch die Verlagerung von Firmenzentralen,
Unternehmenssitzen und
Niederlassungen entstehen bis Ende 2004 730 Arbeitsplätze.“ Indem
Messier über
Seagram in Kanada und Universal in Los Angeles dafür sorgte, dass
Universal
Music von Hamburg nach Berlin umzog, erfüllte er den
größten Teil dieser
Verpflichtung. 500 Beschäftigte mussten nach Berlin umziehen, und
der
Medienstandort Hamburg nahm Schaden. Aber das Ganze hatte noch so etwas
wie
eine geniale Dimension – jedenfalls aus der Perspektive von Vivendi.
Denn das
Land Berlin unterstützte den Umzug des Medienunternehmens mit rund
35 Millionen
DM Wirtschaftsförderung, so die Schätzung laut „Hamburger
Abendblatt“ vom
24.4.2001. Vivendi erhielt also für die Einhaltung seiner
vertraglichen
Verpflichtungen zusätzlich 35 Millionen DM Subventionen der hoch
verschuldeten
Stadt Berlin. Vivendi
und jetzt Veolia stellen immer wieder heraus, in mehr als 100
Ländern in aller
Welt tätig zu sein. Durch den bereits erwähnten Verkauf der
US Filters
Corporation ist dieses globale Reich geschrumpft. Aber Veolia ist
weiterhin
zwischen Budapest in Ungarn, Adelaide in Australien, Tianjin in China
und
Libreville in Gabun für die Wasserversorgung und
Abwasserentsorgung von mehr
als 100 Millionen Menschen verantwortlich. Hinzu kommen industrielle
Kunden,
für die Veolia die erforderlichen Versorgungs- und
Reinigungsarbeiten im
Wasserbereich ausführt, zum Beispiel BP, General Motors und
Hyundai. Bei
der Vergabe solcher Kontrakte konkurriert Veolia mit einer kleinen Zahl
anderer
global agierender Wasserkonzerne, vor allem Suez/Ondeo und Saur aus
Frankreich,
Biwater aus England und RWE (mit den Tochtergesellschaften Thames Water
und
American Water). Die Konkurrenz wird dadurch vermindert, dass diese
„global player“
nicht selten in Form von Konsortien auftreten. So arbeitet Veolia bei
mehr als
einem Dutzend Konzessionen mit Saur, Suez und RWE in Konsortien
zusammen. Auch
bei einer möglichen Privatisierung der Wasserversorgung in Hamburg
wäre damit
zu rechnen, dass sich nur eine sehr überschaubare Zahl von
ernsthaften Unternehmen
und Konsortien um den Kontrakt bemühen wird. Vivendi
hat bei seiner internationalen Expansion immer wieder auf die
Unterstützung der
französischen Regierung rechnen können, was besonders in den
früheren französischen
Kolonien in Afrika von Bedeutung war und ist, denn viele der
Regierungen sind
weiterhin finanziell von Paris abhängig und können bei
Wohlverhalten auch auf
militärische Unterstützung hoffen. So ist es kein Zufall,
dass Vivendi in
Afrika vor allem in den frankophonen Staaten Fuß fassen konnte.
Zu den Ländern,
in denen Vivendi an der Privatisierung der Wasserversorgung beteiligt
ist,
gehören Burkina Faso, Tschad, Gabun, Guinea und Niger. Auch in
Asien und Nord-
und Südamerika ist Vivendi inzwischen auf vielfältige Weise
im Wassergeschäft
tätig. Vivendi
konnte nur eine solche globale Expansion im Wassermarkt erreichen,
indem die
Regeln dieses „Spiels“ erfolgreich angewendet wurden, und zu diesem
„Spiel“
gehört in vielen Teilen der Welt auch die Bestechung von
Politikern, die
Einfluss darauf haben, welcher Konzern den Kontrakt für die
Übernahme der
Wasserversorgung erhält. Ein spektakulärer Fall kam 1997 ans
Licht, als der
französische Staatssekretär Jean-Michel Bocheron wegen der
Annahme von
Bestechungsgeldern zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Das
Gericht
stellt unter anderem fest, dass er für fiktive Leistungen einen
höheren
Geldbetrag von Vivendi entgegengenommen und im Gegenzug dafür
gesorgt hatte,
dass das Unternehmen den Auftrag erhielt, die Wasserversorgung von
Angouleme zu
übernehmen. In einem anderen Fall wurde ein Vivendi-Manager in
Mailand wegen
der Bestechung eines Politikers zu einer Gefängnisstrafe mit
Bewährung
verurteilt. Auch von der Insel Réunion im Indischen Ozean ist
ein Fall von
Bestechung bekannt geworden. Auch anderswo sind die
Vivendi-Aktivitäten keine reine Erfolgsgeschichte
– jedenfalls aus der Perspektive der Wasserkunden. In Puerto Rico ist
die
Wasserversorgung und Abwasserentsorgung 1995 an ein Tochterunternehmen
des
Vivendi-Konzerns übertragen worden. In den folgenden Jahren hat
der
Rechnungshof des Landes wiederholt kritische Berichte zu dieser
Privatisierung
herausgegeben. Bei einer Pressekonferenz wurde erklärt, dass die
Wasser-Privatisierung „ein schlechter Deal für die Menschen von
Puerto Rico“
war. Aus einer Studie von „Friends of the Earth“ geht hervor, dass dem
Wasserunternehmen in einem Bericht des Rechnungshofs in 3.284
Fällen Fehler in
den Bereichen Management, laufender Betrieb und Wartung vorgeworfen
worden
sind. Die Wasserverluste durch Leckagen sollen sich auf etwa 50 Prozent
belaufen. Das Unternehmen wurde wegen diverser Verstöße
gegen Umweltbestimmungen
zu Strafen in einer Gesamthöhe von 6,2 Millionen US-Dollar
verurteilt. In der
Studie von „Friends of the Earth“ wird außerdem erwähnt,
dass manche Orte der
Insel wochen- oder monatelang nicht mit Leitungswasser versorgt worden
sind und
dass auf Grund des Mangels wasserbedingte Krankheiten aufgetreten sind
(vgl.
Friends of the Earth: Dirty Water, Dezember 2001, S 3; vgl. auch
Observer,
14.7.2002). Nach
sieben Jahren Privatisierung der Wasserversorgung war das Ergebnis
äußerst
negativ. Zu dieser Bilanz zählt auch, dass die Regierung zum
Schluss für ein
Defizit von 200 Millionen Dollar im Jahr aufkommen musste. Deshalb
konnte es
nicht überraschen, dass Vivendi nach dem Ende dieser
siebenjährigen
Vertragszeit die Konzession verlor. Viele Bürger Puerto Ricos
setzten sich im
Frühjahr 2002 dafür ein, die Wasserversorgung wieder in
öffentliche
Verantwortung zu übernehmen. Die Regierung von Puerto Rico vergab
aber einen
10-Jahres-Vertrag an einen neuen privaten Betreiber, den
französischen Konzern
Suez/Ondeo. Es
ist im Rahmen dieses kurzen Dossiers nicht möglich, alle
Konsequenzen der Übernahme
der Wasserversorgung in Städten im Süden der Welt durch
Vivendi/Veolia
systematisch zu untersuchen. Nur einige Stichworte können hier
genannt werden:
In Nairobi suspendierte die kenianische Regierung 2001 einen
kontroversen
Kontrakt mit einem Vivendi-Tochterunternehmen, und die Zusammenarbeit
wurde
erst fortgesetzt, als Vivendi den Vertragspartnern mit der Zusage
entgegenkam,
150 Millionen Dollar in das Vorhaben zu investieren. In England sind
Vivendi-Tochtergesellschaften mehrfach wegen Umweltvergehen zu hohen
Strafen
verurteilt worden. Im westafrikanischen Burkina Faso kam es im Februar
2003 zu
Protestdemonstrationen und einem Streik gegen die
Privatisierungspolitik, wobei
es nicht zuletzt um die Übernahme der Wasserversorgung durch
Vivendi ging. Die
Demonstranten führten an, dass die Wasserpreise in kurzer Zeit um
114% gestiegen
waren. Im Tschad und in Gabun lässt sich ein direkter Zusammenhang
zwischen der
Privatisierung der Wasserversorgung unter Mitwirkung von Vivendi und
der
Vergabe großer französischer Entwicklungshilfegelder
für diesen Bereich
herstellen. In Niger hat die Weltbank 35 Millionen Euro bereitgestellt,
nachdem
Vivendi die Wasserversorgung übernommen hatte, und der Konzern
kontrolliert nun
die Verwendung der Weltbankgelder. Die Privatisierung der
Wasserversorgung von
Adelaide/Australien war so umstritten, dass sie sogar einen
Parlamentsausschuss
beschäftigte. Das Konsortium, an dem Vivendi/Veolia beteiligt ist,
reichte sein
Angebot erst nach Ablauf der offiziellen Frist ein, bekam trotzdem den
Zuschlag
und das, was in dem Kontrakt mit dem Konsortium genau steht, ist bis
heute
geheim. Ein Drittel der Arbeitsplätze ging verloren. Dass es
weltweit
inzwischen eine so breite Protestbewegung gegen die Privatisierung der
Wasserversorgung gibt, liegt auch und nicht zuletzt an den Konflikten
und
Skandalen rund um die Vivendi/Veolia-Wasseraktivitäten in
verschiedenen
Großstädten der Welt. Zu
den globalen Aktivitäten von Vivendi/Veolia gehört auch das
Engagement für eine
Liberalisierung des Wassersektors in möglichst vielen
Ländern. Ein wichtiges
Instrument sind hierfür die GATS-Verhandlungen im Rahmen der
Welthandelsorganisation WTO. Im Rahmen des „General Agreement on Trade
in
Services“ sollen Länder ihre Dienstleistungsmärkte für
internationale Konzerne
öffnen – die dann ein leichtes Spiel gegen unerfahrene und
kapitalschwache
nationale Konkurrenten haben. Die EU hat in enger Abstimmung mit den
europäischen Wasserkonzernen eine solche Liberalisierung von
Dutzenden von
Staaten rund um den Globus gefordert und gerade die wirtschaftlich
armen Länder
stehen nun unter dem Druck, ihre Wassermärkte für Konzerne
wie Veolia zu
öffnen. Hinzu kommt der massive Druck von Weltbank und
Internationalem
Währungsfonds, staatliche Betriebe zu verkaufen, weil angeblich
private
Unternehmen immer effektiver arbeiten. Bei
der Umsetzung dieser zu erwartenden neuen
Geschäftsmöglichkeiten wird Veolia
allerdings selektiv vorgehen. In seinem Finanzbericht 2002 teilt Veolia
Water
mit, man wolle seine Aktivitäten „auf entwickelte Länder
refocusieren“. Dazu
gehört Europa. In Asien will man sich auf „drei Länder mit
hohem Potenzial“
konzentrieren, China, Südkorea und Japan. Besonders China wird als
Wachstumsmarkt angesehen. Im Finanzbericht ist von Afrika nur die
nordafrikanische Region im Blick. Interessant werden solche Märkte
erst wie
erwähnt durch die Bereitstellung von Entwicklungshilfegeldern im
Rahm von
„Public Private Partnership“-Projekten. Ansonsten konzentrieren sich
Konzerne
wie Veolia auf das „Rosinenpicken“. Sie suchen sich aus den zur
Privatisierung
anstehenden Wasserversorgungsbetrieben die „Rosinen“ heraus. Die
Hamburger
Wasserwerke wären zweifellos eine solche „Rosine“, aber ist das
genug Grund, um
sie als Delikatesse einem Konzern wie Veolia anzubieten? Ein Partner für
Hamburg? Vivendi/Veolia
hat eine lange Geschichte riskanter Finanztransaktionen, die den
Konzern an den
Rand des Konkurses führten. Veolia kann diese Geschichte nicht
einfach mit
einer Namensänderung abschütteln. Es würde sich lohnen,
näher zu analysieren,
welche finanziellen Folgen die desaströse Finanzkrise des
Vivendi-Konzerns auf
das heute selbstständige Wasserunternehmen Veolia Water hat. Das
ist im Rahmen
dieses Dossiers nicht möglich, und vielleicht auch zu allererst
die Verantwortung
derer, die bei einer Privatisierung der Wasserwerke mit Veolia ins
Geschäft kommen
wollen. Außerdem haben die Wasseraktivitäten des Konzerns
immer wieder im
Zentrum der Kritik gestanden, in Frankreich und in anderen Teilen der
Welt. Die
Preiserhöhungen in Frankreich und ebenso in Berlin sind keine
Empfehlung, einem
Unternehmen wie Veolia die Hamburger Wasserversorgung zu
überlassen. Bisher
sind die Hamburger Wasserwerke ein überzeugendes Beispiel
dafür, das Kommunen
ihre Wasserbetriebe mit großem Erfolg selbst betreiben
können und auf keinen
privaten Konzern angewiesen sind. In einem nationalen und
internationalen
Umfeld, wo – nicht zuletzt aus ideologischen Gründen – immer
wieder behauptet
wird, Privatisierung sei wegen der fehlender Effizienz
öffentlicher Betriebe
nötig, sind die Hamburger Wasserwerke ein Stein des Anstoßes
oder ein Anlass,
auf ein Umdenken zu hoffen. Für die einen sind die HWW ein
Ärgernis, weil ihre
Erfolge nicht mit der eigenen Ideologie in Einklang zu bringen ist.
Für die
anderen sind die HWW ein überzeugender Beleg dafür, dass
Kommunen nicht auf
internationale Wasserkonzerne angewiesen sind. In gegenwärtigen
Wirtschaftsdebatten spielt das Stichwort „best practice“ eine zentrale
Rolle.
Wenn man dies Ernst nimmt, dann sollten die Leistungen von Veolia und
Hamburger
Wasserwerken von einer unabhängigen Stelle überprüft und
verglichen werden. Es
darf vermutet werden, dass das Ergebnis allen Debatten über eine
Übernahme der
HWW durch Veolia mit dem Argument, man brauche einen effizienteren
privaten
Betreiber, ein Ende bereiten wird. Dann bliebe nur noch das Argument,
Hamburg
brauche Geld und müsse deshalb die Wasserwerke verkaufen. Aber
selbst die
Befürworter dieses Arguments müssen sich fragen, ob Veolia
nach seiner jüngeren
Geschichte dafür die erste Adresse sein kann. Und die Erfahrungen
von
französischen Städten und Berlin zeigen, dass die Bürger
damit rechnen müssen,
am Ende die Rechnung präsentiert zu bekommen in Form drastisch
steigender
Wasserpreise. Es gibt also viele Gründe, einem Unternehmen wie
Veolia nicht die
Wasserversorgung unserer Stadt zu überlassen. |
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15.07.2004 |